Was ist ESG?

ESG“ steht für  Environmental (Umwelt), Social (Sozial) und Governance (Unternehmensführung).

 

Was beinhaltet diese Abkürzung?

Environmental (Umwelt): Die Planung, der Bau , der Betrieb, und der Abriss ALLER Immobilien auf der Welt haben direkt und indirekt einen signifikanten Einfluss auf die Umwelt in der wir leben. Die Umwelt hat negative Einflüsse auf jede Immobilie (z.B. bei Starkwetterereignissen) und jede Immobilie hat negative Einflüsse auf die Umwelt und deren Diversität. Z.B. Durch die Erzeugung von Energie / Freisetzung von CO2, Versieglung von Flächen, Erzeugung von Müll, etc.)

Durch eine intelligente Planung, Errichtung und Betriebsführung lassen sich viele negative Umwelteinflüsse auf Immobilien und Immobilieneinflüsse auf die Umwelt stark reduzieren.

Dies soll zu einer Verlangsamung der Erderwärmung und den damit verbundenen, weltweiten Begleiterscheinungen führen.

Social (Sozial) steht für einen „sozio-funktionalen“ Nutzungsmehrwert von Immobilien für die in ihr lebenden und arbeitenden Menschen. Der Mensch als soziales Wesen soll durch die Nutzung einer ESG-optimierten Immobilie einen sozialen Vorteil haben. Zum Beispiel mehr Zeit, weniger Arbeit, eine bessere Betreuung von Kindern und/oder alten Menschen. Barrierefreiheit zur besseren inklusion von körperlich beeinträchtigten Menschen, eine einfachere und umweltfreundlichere Beschaffung von Lebensmitteln, Reduktion von schädlichen Einflüssen wie Lärm und schlechter/unsauberer Luft, etc. Dieser Bereich lässt sich durch eine vorausschauende und kluge Städteplanung bereits vor dem Bau einer Immobilie erreichen.

Mehr Licht, bessere Atemluft, eine geringere Aufheizung der Innenstädte, Schaffung von Frischlufschneisen, bauliche Hochwassersicherungen, Resilienz gegen Lawinen, Erdbeben, Starkregen, etc. können sowohl einem Umweltaspekt dienen als auch dem sozialen Bedürfnis der Menschen (Gebäudenutzer) nach Sicherheit und einer komfortablen Umgebung bedienen.

Governance (Unternehmensführung) beschreibt die Fokussierung auf ethische und morlaische Faktoren, die innerhalb und außerhalb von Unternehmen eine entscheidene Rolle spielen (können). Hierzu zählen verschiedene Maßnahmen zum Beispiel zur Bekämpfung der Schwarzarbeit, der Korruption/Korrumpierbarkeit, der Duldung von Kinderarbeit und Beschäftigung von Arbeitssklaven, der Unterstützung von „Schurkenstaaten“ etc. Mit einer erhöhten Transparenz der Lieferketten (z.B. durch die Einhaltung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz) sollen Firmen aus der Lieferkette ausgeschlossen werden, die sich nicht bei der Einhaltung von ethische-morlaischen Standarts der Westlichen „Welt anschließen wollen.

 

Welche konkreten gesetzlichen Verpflichtungen gelten aktuell für die Bundesrepublik Deutschland?

Bis 2045 müssen 75% der Bestandsgebäude modernisiert werden, um klimaneutral zu sein!

 

Wer hat die ESG-Regeln aufgestellt?

Die ESG-Vorgaben wurden von der Europäischen Union  in Abstimmung mit vielen anderen Ländern erarbeitet und in Form eines Regelwerkes, der EU-Taxonomie verabschiedet. Die Umsetzung dieser internationalen Richtlinien wurde verpflichtend auf die einzelnen Länder übertragen.  Die folgenden sechs Ziele sollen weltweit durch Einhaltung der EU-Taxonomie umgesetzt werden:

  1. Verhinderung des Klimawandels
  2. Anpassung an den Klimawandel
  3. Nachhaltige Nutzung von Wasser- und Meeresressourcen
  4. Wandel zu einer Kreislaufwirtschaft
  5. Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung
  6. Schutz und Wiederherstellung der Biodiversität und der Ökosysteme

 

Wen betreffen die Vorgaben?

Primär sollen die Kapitalströme von Finanzinvestitionen durch z.B. die Besteuerung von nicht ESG-konformen „Finanzprodukten“ gelenkt werden. Immobilien, die für Investoren gebaut und betrieben werden gehören dazu. Sobald sich die Mechanismen zur Steuerung von Kapital auf dem Investmentmarkt etabliert haben, ist davon auszugehen, dass auch mittelfristig der Bund, die Bundesländer und Kommunen sich diesem „öffentlichen Druck“ anschließen werden um als „gute Beispiele“ für die privaten Haushalte zu dienen. Dadurch werden die ESG-Kriterien über kurz oder lang auch bei privaten Eigentümern von ganz normalen Gewerbeimmobilien und auch gewerblich gehandelten „Wohnimmobilien“ Anwendung finden. Ansonsten müssen die privaten Eigentümer befürchten, dass ihre Häuser von den finanzierenden Banken und dem handelnden Immobilienmarkt als sogenannte „ökonomisch gestrandete Immobilien“ (strandet Assets) angesehen werden. Diese bewusst unwirtschaftlich gewordenen Immobilien lassen sich dann nicht mehr wirtschaftlich sinnvoll verkaufen oder vermieten/betreiben, da die zu erwartenden „Malus-Regelungen“ (Zinsaufschläge, Beleihungswertabschläge, Kaufpreisabschlägen, CO2-Besteuerungen, etc.) den Mieteinnahme-möglichkeiten übersteigen und damit wirtschaftlich wertlos werden. Diesem gewollten Risiko lässt sich nur durch eine frühzeitige ESG-Betrachtung und deren zielgerichtete Umsetzung entgegen steuern.

 

Ab wann gelten die ESG-Regeln der EU-Taxonomie?

Mit dem Beschluss des „Green Deals“ in 2019 stellte die Europäische Union (EU) die Weichen für mehr Nachhaltigkeit bei Investitionen, zum Beispiel in Bereichen wie erneuerbaren Energien, Biodiversität oder Kreislaufwirtschaft. Seit Juni 2020 ist die Taxonomie-Regulierung formal in Kraft. Seit 2022 wird die EU-​Taxonomie für den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel angewendet. Delegierte Rechtsakte für die übrigen vier Umweltziele (*) folgten im April 2023. Am 01.01.2024  traten die Offenlegungspflichten von allen sechs Umweltzielen in Kraft.

(*) „übrigen vier Umweltziele“: Nachhaltiger Einsatz und Gebrauch von Wasser oder Meeresressourcen, Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Vorbeugung oder Kontrolle von Umweltverschmutzung, Schutz und Wiederherstellung von Biodiversität und Ökosystemen

 

Und warum ist diese Entwicklung nach unserer Meinung nicht mehr aufzuhalten?

Neben der Europäischen Union mit ihren 27 Mitgliedsstaaten haben sich 2022 auch die USA mit der verabschiedung des „Inflation Reduction Act“ (Bundesgesetz) diverse Maßnahmen zur Förderung von „grüner Wirtschaft“ beschlossen.

Neben der gewollten „moralischen Vorbildfunktion“ der westlichen Welt werden über Jahre und Jahrzehnte hunderte von Millarden von Euro/US-Dollar in eine von den Staaten zu definierende Nachhaltigkeitsoffensive gelenkt.

Nach der Prognose eines Wirtschaftsweisen, der die Deutsche Bundesregierung berät, werden die Kosten der ESG-Transformation für die Deutsche Gesamtwirtschaft höher ausfallen als die der Deutschen Wiedervereinigung von 1989 bis heute!

Und ganz gleich wie weit sich jeder Einzelne dieser „Ideologie“ anschließen möchte oder auch nicht.

Die Auswirkungen der europäischen ESG-orientierten Planungs- und Wirtschaftspolitik haben bereits unumkehrbare Wirkungen entfaltet. Die zukunftsorientierte junge Generation wie auch die umwelt- und sozialorientierte Politik der aktuellen Bundesregierung wird dieser Entwicklung immer weiter Rückenwind verleihen, der auch in vielen Jahren noch nachwirken wird.